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Mit der Zweiten sieht man besser - Hamburg 2014

Fotografen: Wer wir sind  

Da sich Gabi Novak-Oster und Detlef Oster erst mit 28 Jahren kennenlernen und fortan ihre fotografische Gemeinsamkeit entwickelten, gibt es natürlich getrennte (fotografische) Vorgeschichten. Detlef Oster durfte ab und an noch vor Schulbeginn mit seinem Vater - Journalist in Koblenz - mitfahren zu einem Ereignis.

Besonders eindrucksvoll war da ein Autounfall, damals noch eine Seltenheit. Motivation muss sein – es gab die erste Kamera zur Kommunion: ein umständliches Rollfilm-Modell. Mitte der 60er dann eine echte "Akarette" mit Schneider-Kreuznach-Weitwinkel und Handbelichtungsmesser "Sixtomat von Gossen". Damit konnte man schon gestalten. Das erste gute Foto: Eine Brücke mit Menschen in Venedig. Väterlicher Kommentar: "Perfekt, auch der goldene Schnitt".

Der erste fotografische „Durchbruch“ dann mit 17. Bei einem deutsch-französischen Schüleraustausch bringt ein Lokal-Fotograf aus Narbonne Filmentwicklung in der Dunkelkammer bei. Voll pubertär, mussten einige blonde Schönheiten aus Nordhorn als Fotomodelle herhalten. Und diese selbst entwickelt und vergrößert - das war doppelt aufregend.

Die Schulzeit brachte - außer viel Ärger - wenig Gelegenheit zur Fotografie. Erst im Internat begann die Leidenschaft abzubilden erneut. Und zwar mit der ersten selbst verdienten "Edixa Prismat LTL" - eine deutsche Spiegelreflex, die den aufkommenden Japanern Paroli bieten sollte. TTL (Through the Lens) ging nämlich aus Urheberrechtsgründen nicht. Da drehte man es einfach um: LTL. Hätte man sich in Deutschland bei technischen Entwicklungen ebenso innovativ bewiesen, wäre es nicht bergab gegangen mit der deutschen Fotoindustrie.

Das anschließende Volontariat bei der Rhein-Zeitung wurde versüßt mit der Möglichkeit der Leica-Fotografie. Von den edlen M3 und M4-Modellen gab es gleich mehrere. Aber man musste auch feststellen, wie sehr sich die Fotografen abmühten, mit dieser Kamera schnell und flexibel zu sein. Mit dem "Visoflex" - einem monströsen Spiegelkasten-Vorbau zwischen Kamera und Objektiv - versuchte man (verzweifelt) aus der Sucher-Leica eine Spiegelreflex zu machen.

Schon abenteuerlich, wenn an einer Leica M der wuchtige Spiegelkasten montiert wurde und daran das Novoflex 400 mm. Das alles verdrahtet mit einer Kombination aus Fernauslöser und Pistolenhandgriff.... Das ging, wie man schnell erkannte, bequemer - und vor allem besser und schneller mit einer "richtigen" Spiegelreflex.

Es kam wie es kommen musste: Die Japaner wurden zwar als geistige Diebe verunglimpft, aber sie brachten die besseren Kameras. Nikon "spendierte" den Stern-Fotografen die nagelneue "NIKON F".

Als die dann auch noch in dem Kult-Thriller "Blow up" von Michelangelo Antonioni die Hauptrolle spielt, ist die Nikon F selbst bereits Kult. Und die Reporter im Vietnam-Krieg machen mit ihr die Aufnahmen, die die Welt bewegen.

Schon recht bald wurde - der Entwicklung folgend - die "Asahi Pentax Spotmatic F" angeschafft, eine feine, damals hochmoderne Kamera, mit der die ersten wirklich guten Fotos gelangen. Die Pentax wurde ausgebaut zu einer kleinen Ausrüstung. Der RZ-Fotograf Rolf Heckelsbruch verfeinerte das Wissen um die Praxis der Fotografie. Das, obwohl er ein waschechter Leica-Fanatiker war. Danke dafür!

Teile der ersten Verdienste schleppte Detlef Oster in das einschlägige Koblenzer Fotofachgeschäft "Brillen-Becker". Herr Reuther war stets hilfsbereit. Später waren die Herren von Pro-Foto die besten Ratgeber.

Mitten in den sich entfachenden Glaubenskriegen um Für und Wider der Offenblenden-Messung, Programmautomatik und Autofokus gab´s dann auch mal die legendäre Pentax 6x7 und als Gegenextrem die ebenso legendäre Rollei 35S oder gar eine Minox.

Auf die "Nicht-Messsucher-Kamera" Rollei 35 folgte irgendwann die Contax T2. Und statt einer Leica gab es Ende der 90iger ein erfolgreiches Intermezzo mit der Contax G2 - beides tollle Kameras..

Während des Studiums der Sozialpädagogik entwickelte sich bei Detlef Oster der Hang zur damals noch verbreiteten sozialdokumentarischen Fotografie. Alltags-Fotografie als "Waffe"gegen Missstände - das wars! Die Inspiration kam auch und mit dem Kult-Buch "Cafe Lehmitz" von Anders Petersen.

Der technische Durchbruch erfolgte sehr schnell mit der Canon F-1. Eine klasse Kamera - vor allem mit dem Speed-Finder. Den konnte man so drehen, dass man - wie bei der zweiäugigen Rollei - weniger "frontal" - von oben in die Kamera schaute, sondern mit geneigtem Haupt. Die ideale Körpersprache für die sozialkritische Fotografie. Doch letztlich machte die Nikon das Rennen. Unvergessen die F2 mit dem Motorantrieb MD2.

Im "Haus Metternich", das Detlef Oster vom Geburtshaus von Fürst Metternich zur Jugend- und Künstler-Begegnungsstätte "ausbaute", übte Kursleiter Jochen Bischof mit den Jugendlichen den Kameraeinsatz. Mit Erfolg. Er machte Detlef Oster - ganz nebenbei - mit einem kleinen Schritt Mut zu großformatigen Bildern. Auch wenn Jochen allzu früh verstarb - Danke dafür.

1978 wurde dann zum gemeinsamen Start- und Wendepunkt in der Fotografie. Gabi Novak-Oster und Detlef Oster lernten sich kennen. Sie, Redakteurin der Rhein-Zeitung, begann ihre Reportagen selbst zu "illustrieren". Das war meist einfacher und irgendwie "runder".

Es dauerte nicht lange, da entwickelte die ansonsten technik-skeptische Journalistin ein enormes Gespür für Motive und eine unverkennbar eigene Handschrift. Sie formte Text und Fotos zu einer beeindruckenden Einheit.

Als Pressesprecher eines Wohlfahrtsverbandes organisierte Detlef Oster einen euopaweiten Fotowettbewerb "Der Mensch und seine Umwelt". Eine vielbeachtete Ausstellung reiste durch die Lande.

Es folgte ein Zusammenspiel besonderer Art zwischen beiden Fotografen. Viel fotografierte man gemeinsam, oft gab es aber auch spät abends ihren Anruf vom Flughafen "Ich habe 12 Filme....." Dann wurden Entwickler und Fixierer angesetzt und nach kurzer Begrüßung ging es ans Entwickeln, Fixieren, Wässern, Trocknen, Einschneiden, Auswerten. Dem nicht genug, wurde nachts auch noch der erste Abzug fertiggestellt.


Besonders spannend war es auf gemeinsamen Reisen, die Filme im dunklen Hotel-Kleiderschrank zu entwickeln. Von der heutigen Technik der Digitalfotografie konnte man damals noch nicht mal träumen.

Heute spielen die "gefilmten" Fotos noch immer eine wichtige Rolle. Denn rund zwei Drittel der wirklich guten Bilder wurden bisher auf Film aufgenommen. In früheren Zeiten eingescannt mit einem "Nikon Coolscan V" (Software: Silverfast) wurden aus Negativen digitale Dateien. Später wurden sie mit einem Micro-Nikkor 2,8 / 40mm und dem Nikon ES1 "abfotografiert". Das ging schneller und ebenso gut.
Ob analogen oder digitalen Ursprungs: Die Fotos werden mit Photoshop so behandelt, wie man es im Labor auch getan hätte. Das gelingt am PC um ein vielfaches besser als früher im stickigen Labor. Trotz aller "Möglichkeiten": Keine Chance für Fälschungen oder Montagen - die Fotografien zeigen das, was tatsächlich aufgenommen wurde.

Gedruckt werden die Fotos schließlich mit einem aktuellen Großformat-Drucker von Epson entweder auf „Hahnemühle Baryta FB" in A2 - aus unserer Sicht das stärkste und beste Fotopapier - oder (mit Top-Ergebnissen) auf einem No-Name-Papier (!) in A3. Gedruckt wird aber auch bei WHITEWALL - mit sehr guten Ergebnissen.

Die Ausrüstung ist heute deutlich kleiner - weniger ist eben doch mehr. Auf Nikon-Spiegelreflexkameras mit stets einsatzbereiten Megazooms wie 28-300 (Vollformat) oder 18-300 (APS-C) folgten die Vollformat-SONY ALPHA 7 MARK 3 mit dem SONY 24-240 mm und die ALPHA 7S mit dem Zeiss 4/24-70.

Inzwischen fotografieren wir mit zwei AF-Leicas. Damit war der letzte (?) Glaubenskrieg - Spiegelreflexsucher oder elektronischer Sucher - entschieden. Die elektronischen Sucher sind inzwischen sehr gut und werden sich wohl auch durchsetzen. Vor allem bei wenig Licht bieten sie erhebliche Vorteile. Doch würde heute die Spiegelreflexkamera erfunden - sie wäre eine Sensation.


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